vanlife in Neuseeland Titelbild


Oktober 2025 - 3 Wochen im Camper durch Neuseeland
Ein Blogbeitrag von Franziska Zanolli


Dort, wo sich die Welt ein bisschen langsamer dreht

Schon mal das Gefühl gehabt, in die große weite Welt hinaus zu müssen?


Nein? Ich auch nicht.

Mein Freund Markus hat schon einiges von der Welt gesehen. Ich hingegen war glücklich mit meinen Wanderungen in den Bergen, unserem jährlichen Familienurlaub in Italien und meinem Leben als zufriedenes Landei. Ich hatte noch nie in einem Flugzeug gesessen. Und monatelang in einem anderen Land leben war noch nie einer meiner Wunschvorstellungen. Nicht, weil ich nicht offen bin, weil ich einfach in meinem Alltagstrubel zufrieden war.

Markus hingegen schwärmte schon lange von Neuseeland. Von Bergen, Seen, Meilen ohne Menschen und von schönen Tieren.
Ich dachte nur: Also quasi wie im Allgäu, oder?
Warum bitte einmal um die halbe Welt fliegen, um das zu sehen, was wir doch zu Hause auch haben?

Heute sage ich dir: Ich empfehle Neuseeland jedem, der mich nach einem Reiseziel fragt.

 


Der Deal

Es gab einen Deal:
Markus organisiert alles und ich bin einfach nur dabei.

Einen Tag vor Abreise habe ich mir einen Koffer gekauft, ein paar Klamotten eingepackt und war bereit. Aufgeregt vor meinem ersten Flug aber jetzt weiß ich auch, woher das Sprichwort kommt:
„Nur Fliegen ist schöner.“


Warum Camper?

Du musst wissen: Ich finde ehrlich gesagt alles etwas eklig, was von fremden Menschen genutzt wird. Hotelbetten, Zugsitze, Sofas, … puh.

Also war schnell klar: Wenn wir das machen, dann im Camper.
Ich hoffte, dass ich mich so einleben kann, dass es sich wie „unser kleines Zuhause“ anfühlt.

Wir sind also gut angekommen, haben den Camper abgeholt und dann ging es los.

Und ich sage dir: Erst wenn du auf dieser Straße fährst (Achtung, Linksverkehr!), dann beginnt die Reise wirklich.
 

Bilderreihe vom vanlife in Neuseeland
anlife in Neuseeland
anlife in Neuseeland

 

Dieses Land!

Du fährst Kilometer entlang von Küsten, vorbei an einsamen Strandbuchten und weiter durch karge Landschaften. An Seen entlang plötzlich wieder am Meer und dann bist du wieder irgendwo zwischen großartigen Bergen.

Neuseeland ist ein Land mit einer Vielfalt, wie ich sie noch nie erlebt habe.
Und nein, auch nicht wie im Allgäu.

Wenn du dir gute Spots suchst, kannst du nackig an Stränden liegen! Wenn sich das nicht wie frei sein anfühlt.... Mach ruhig das, was Touristen machen, aber mach es woanders. Fahr ein Stück weiter und umgehe die Touristenspots. 

Was mich außerdem beeindruckt hat: Wie organisiert das Camperleben dort ist. Selbst mitten im Nirgendwo gibt es Toiletten und Dumping-Stations. Es wirkt alles durchdacht, respektvoll und naturverbunden.


Staunen ist kostenlos

Markus und ich sind sehr unterschiedlich. Aber was wir beide können: staunen über „banale“ Sachen. Über eine besondere Blume, über eine tolle Aussicht, über einen Sonnenuntergang. Und davon hatten wir viele. Sehr viele! Und weißt du, was das Schönste daran ist?


Es ist FOR FREE!!!
  

 

Sonnenuntergang Neuseeland

  
Egal, wo du gerade bist, erfreu dich an den richtigen Dingen im Leben.

Glaub mir: Es ist bereichernd.
  

 

Collage vanlife stecken geblieben



Highlights

Camping ist, wenn du morgens die Tür öffnest und ab diesem Moment beginnt das Erlebnis.

Dieses Gefühl hat uns Wochen begleitet. Damit wir möglichst viel davon bewahren, hatten wir ein Tagebuch und einen Mini-Fotodrucker dabei.
Jeden Abend haben wir den Tag Revue passieren lassen.
Fotos eingeklebt.
Momente festgehalten.

Und ich glaube fast, das war das Schönste an der Reise. Dieses bewusste Dankbarsein.
Jeden Abend zu sehen, was man alles erleben durfte.

Und ein weiteres Highlight möchte ich dir noch erzählen, denn an dieser Begegnung werde ich noch lange festhalten.

Es hatte seit Tagen geregnet. Wir waren abends auf dem Weg zu unserem Campingplatz.

Markus hatte schon online eingecheckt, also sind wir direkt dem Schild Richtung Stellplätze gefolgt.
Es führte über eine Wiese.

Und dann: festgefahren.

 



Je mehr wir versuchten rauszukommen, desto größer wurde die Furche im Boden. Uns war klar, uns kann nur noch einer helfen: der Campingplatzbesitzer.

Er kam mit seinem Pickup. Keine Chance.
Er kam ein zweites Mal mit dem Traktor und dann schaffte er es.

Seine Wiese war inzwischen eher ein Acker. Tief durchfurcht, voller Matsch.
Wir haben uns geschämt. Wirklich. Er erklärte uns ruhig, dass wir bei dem Wetter besser am Waldrand parken sollten. Kein Vorwurf. Kein Ärger.

Wir wollten uns bedanken. Mehr hatten wir nicht im Camper als Bier und Chips, aber immerhin eine kleine Geste. Also sind wir nochmal zu ihm gegangen.

Er hat sich ehrlich gefreut.

Später am Abend klopfte es an unserer Tür.
Der Campingplatzbesitzer stand draußen, mit zehn frischen Eiern von seinen Hühnern.

Wie lieb kann ein Mensch bitte sein?

Wir zerstören seine Wiese.
Er zieht uns raus.
Und am Ende bekommen wir Eier geschenkt.

Vermutlich macht auch das, das Land so wunderbar.

 

Bild Neuseeland Blick aufs Meer

 

Dort, wo sich die Welt langsamer dreht

Weil du Zeit hast.
Weil du staunst.
Weil die Natur mit so viel Respekt gesehen wird.
Weil du tolle Begegnungen machst.
Weil du dich auf das Wesentliche reduzierst.

Und vielleicht musste ich einmal um die halbe Welt fliegen, um zu verstehen, dass es gar nicht um das „Weiter weg“ geht, sondern um mal kurz wo zu sein, wo sich die Welt ein Stückchen langsamer dreht.

Ich kann dieses Land jedem empfehlen der dieses Gefühl verspürt, selbst glücklichen Landeiern. ♡


 

Fotos: © Franziska Zanolli